Medikamenteninnovationen

In der Augenheilkunde kommen seit 2006 einige neuartige Medikamente zum Einsatz. Diese Wirkstoffe werden während eines kleinen operativen Eingriffs mit einer sehr feinen Nadel direkt ins Auge an den Ort des Geschehens eingegeben. Der Eingriff ist schmerzfrei und wird als "IVOM" (intravitreale operative Medikamenteneingabe) bezeichnet.

Mittels dieser Medikamente können einige Erkrankungen behandelt werden, die vorher viel schlechter oder gar nicht therapierbar waren.

Das wichtigste Krankheitsbild ist die "feuchte Maculadegeneration". Durch krankhafte Blutgefäßwucherungen kommt es zu Schwellungen und Unterblutung der Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens (= Macula). Die feuchte Maculadegeneration führt unbehandelt zu schwersten Sehbehinderungen und ist die häufigste Ursache für den Bezug von Blindengeld in Deutschland.

Die Wucherung dieser Blutgefäße sowie die Schwellung können durch Medikamente behandelt werden, die als "anti-VEGF" bezeichnet werden. Dies sind folgende Wirkstoffe:

1. Avastin = Bevacizumab
2. Lucentis = Ranibizumab
3. Macugen = Pegaptanib

Mittlerweile bestehen mehr als 5 Jahre Erfahrung mit diesen Wirkstoffen. Klinische Studien haben gezeigt, daß Avastin und Lucentis besser wirksam sind als Macugen. Zwischen Avastin und Lucentis besteht nach Studienlage und auch unseren eigenen Erfahrungen kein Unterschied in der Wirksamkeit, wohl aber im Preis. Lucentis kostet mehr als 10x so viel wie Avastin.

In allen Fällen werden die Medikamente 3x im Abstand von 4 Wochen eingegeben. Danach erfolgen engmaschige Kontrollen des Befundes. Bei Verschlechterung wird nachbehandelt. Bei der Mehrheit der Erkrankungsfälle sind im längerfristigen Verlauf Nachbehandlungen erforderlich.

Weitere Augenerkrankungen, die durch neue Medikamente behandelt werden können, sind diabetesbedingte Netzhautschäden, Thrombosen der Netzhaut sowie bestimmte immunologische Entzündungen (Uveitis).

Neben den bereits erwähnten anti-VEGF-Medikamenten kommen hier abschwellende synthetische Depotcortisone zum Einsatz. Dies sind insbesondere

1. Triamcinolon
2. Ozurdex

Ozurdex ist teuer, hat aber den Vorteil, den Wirkstoff über 6 Monate sehr kontrolliert abzugeben. Es handelt sich um ein mikroskopisch kleines "U-Boot", welches den Wirkstoff Dexamethason langsam freisetzt.

Triamcinolon kann eine ähnlich gute Langzeitwirkung entfalten, ist nicht ganz so gleichmäßig in der Wirkstoffabgabe, aber dafür erheblich preisgünstiger.

In einigen Fällen können die anti-VEGF und Depotcortisone auch zusammen eingesetzt werden, um die Wirkung weiter zu verbessern. Im Falle von Diabetes-Schäden und Thrombosen wird die Behandlung in vielen Fällen durch eine Lasertherapie ergänzt.

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten in der großen Mehrheit der Fälle. Leider sind die vertraglichen Regelungen kompliziert und unterscheiden sich bei verschiedenen Krankenkassen. Wir werden Sie, wenn Sie solch eine Behandlug benötigen, entsprechend beraten und uns um die Beantragung bei Ihrer Krankenkasse kümmern.

Insgesamt ermöglichen diese Medikamente die erfolgreiche Behandlung von Erkrankungen, welche sonst unausweichlich zu schweren Sehbehinderungen führen würden.